Inhaltsverzeichnis zu Ausgabe 1/2014

  • Die wahre »missio Dei« (Sebastian Heck)
  • Gnade für verlorene Sünder: Ist die Botschaft von der Rechtfertigung des Gottlosen heute noch relevant? (Bernhard Kaiser)
  • Das Sühnopfer Christi: Eine Besinnung auf das Zentrum des Evangeliums (Kurt Vetterli)
  • Das ungebundene Evangelium: Reformatoren und reformatorische Bekenntnisse zum Thema »Mission« (Victor E. d’Assonville)
  • »Machet zu Jüngern alle Völker«: Der Missionsbefehl im 21. Jahrhundert (Ron Kubsch)
  • Die Gute Botschaft weitergeben: Ein biblisches Verständnis von Evangelisation (Mark Dever)
  • Impressum
  • Das Reformatorisch-Theologische Seminar
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Die wahre »missio Dei«

Editorial

Mitten in einer Krise der Weltmission fand 1952 die Weltmissionskonferenz in Willingen (Sauerland) statt. Dort wurde das Verständnis dessen, was Mission im Kern ist, theologisch ganz neu durchdacht. Den Auftrag zur Mission sah man nach Willingen nicht mehr wie bisher im Missionsbefehl der Heiligen Schrift verankert (z. B. Mt 28,19-20), sondern vielmehr im Wesen Gottes selbst, in der »missio dei« (wörtlich: »Sendung Gottes«). Während der Gedanke der »missio dei« bereits ein altkirchlicher ist, ist doch die Art und Weise neu, wie Mission aus der Zuwendung Gottes zu seiner gesamten Schöpfung heraus begründet wurde. Wie innerhalb der Dreieinigkeit der Vater den Sohn in die Welt gesandt hat (Inkarnation), so verstand man auch die Sendung der Jünger durch Jesus Christus als eine Art »Inkarnation«. (weiterlesen …)


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Gnade für verlorene Sünder

Ist die Botschaft von der Rechtfertigung des Gottlosen heute noch relevant?

Die Frage, die mit dem Thema oben gestellt wird, legt nahe, dass das Thema Rechtfertigung wohl zur Zeit der Reformation von Bedeutung war, aber heute nicht mehr denselben Stellenwert hat. In der Tat hat sich in der Zwischenzeit viel geändert, und man beobachtet heute vielmehr, dass die umgekehrte Frage gestellt wird: Wie lässt sich Gott rechtfertigen für all das Böse, das in der Welt geschieht, wenn er doch ein guter, liebender und menschenfreundlicher Gott zu sein beansprucht? Nicht mehr der Mensch sitzt auf der Anklagebank und Gott ist der Richter, sondern Gott wird verantwortlich gemacht und der Mensch meint, über Gott richten zu können. 

Um das hinter diesem Wandel stehende Denken zu verstehen, werde ich zunächst einen Blick in die Vergangenheit werfen und das Denken zur Zeit der Reformation beschreiben. Erst dann spreche ich über das Heute. (weiterlesen …)


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Das Sühnopfer Christi

Eine Besinnung auf das Zentrum des Evangeliums

Um einen Kurs vorzubereiten, der Christen helfen sollte, Außenstehenden das Evangelium zu erklären, führte ich eine Umfrage durch in christlichen Buchläden und an anderen Orten, wo ich annahm, andere Christen anzutreffen. Ich bat die Befragten, mir im Zeitrahmen von etwa einer Minute das Evangelium zu beschreiben.

Das Resultat war vernichtend. Die Wenigsten konnten auch nur annähernd eine richtige Zusammenfassung des Evangeliums geben. Die Wenigen, die den biblischen Begriff am Treffendsten wiedergaben, sagten so etwas wie: »Jesus starb am Kreuz für uns.« Am Anfang des Kurses fragte ich schließlich die Teilnehmer. Das Resultat war ähnlich dürftig. Diese Erfahrung habe ich immer und immer wieder gemacht, wenn das Thema ›Evangelium‹ zur Sprache kam. (weiterlesen …)


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Das ungebundene Evangelium

Reformatoren und reformatorische Bekenntnisse zum Thema »Mission«

Der Begriff »Mission« in seiner aktuellen Verwendung ist das ›moderne‹ Ergebnis eines Missionsverständnisses und einer fortlaufenden Diskussion der letzten Jahrhunderte. Dies bedeutet keineswegs, dass das Prinzip »Mission« früher nicht vorhanden war, sondern lediglich, dass Begriffe wie »Verkündigen«, »Predigt«, »Wort Gottes« und die Förderung des »Reiches« Gottes in den reformatorischen Bekenntnissen gebraucht wurden, um dasselbe Anliegen – die Verbreitung des Evangeliums – zu bezeichnen und zu bekennen. Man ging von der ganzen heiligen Schrift als Wort Gottes aus. Deswegen stützte man sich theologisch nicht nur auf den klassischen »Missionsbefehl« in Matthäus 28,19-20 (Markus 16,15 oder Lukas 24,45-48) sondern auf den Auftrag zur Wortverkündigung überhaupt, den es immer wieder in der ganzen Schrift gibt. (weiterlesen …)


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»Machet zu Jüngern alle Völker«

Der Missionsbefehl im 21. Jahrhundert

Gott hat den Menschen großartig geschaffen: Er sah alles an, »was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.« (1Mo 1,31). Adam und Eva wollten allerdings ohne Bindung an Gott klug werden und ignorierten ein göttliches Gebot. Ihr Ungehorsam stürzte die ganze Menschheit in eine große Not (vgl. 1Mo 1–3). Wir sind seitdem geistlich blind und leben fern von Gott (vgl. 1Kor 2,14). Anstatt Gott zu ehren, dienen wir dem Nichtigen (vgl. Röm 2,21–22). Johannes Calvin hat den Geist des gefallenen Menschen als eine Art »Götzenfabrik« bezeichnet. »Der Menschengeist, voll von Hochmut und Vermessenheit, wagt sich einen Gott nach seinem Fassungsvermögen auszudenken, und weil er von Schwachsinnigkeit befallen, ja von scheußlicher Unwissenheit umhüllt ist, so erfaßt er in Wirklichkeit an Gottes statt ein nichtiges Ding, ja ein eitles Gespenst!« Er will nicht, so hat es der Reformator Martin Luther einmal auf den Punkt gebracht, dass »Gott Gott ist«. Kein Mensch auf Erden ist so gerecht, »dass er Gutes tut, ohne zu sündigen« (Pred 7,20). »Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; es ist keiner, der verständig ist, der nach Gott fragt« (Röm 3,10–11).  (weiterlesen …)


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Die Gute Botschaft weitergeben

Ein biblisches Verständnis von Evangelisation

Woran denken Sie, wenn Sie das Wort »Evangelist« hören? Denken Sie da an Billy Graham? Oder an die Figur des »Evangelisten« im Buch Pilgerreise? Denken Sie vielleicht an einen Fernsehevangelisten von zweifelhaftem Ruf? An einen Eimer, der als Kollektenkorb durch die Reihen gereicht wird? An einen Spendenbrief mit vorgedrucktem Überweisungsschein? Wenn Sie das Wort »Evangelist« hören: was fällt Ihnen dazu zuerst ein – Scharlatan oder Heiliger?

Wenn es um das Thema Evangelisation geht, tauchen auch unter Christen viele Fragen auf, und die Empfindungen dazu reichen von Schuldgefühlen bis hin zu aufrichtiger Verblüffung: »Sollte man das Evangelisieren nicht den Profis überlassen?«, fragen vielleicht manche. »Sollte das nicht von denjenigen gemacht werden, die wirklich wissen, wie das geht? Ich meine, es passiert ja so oft so schlecht. Dazu möchte ich doch nicht auch noch beitragen! Ich weiß einfach nicht genug darüber.« Andere sagen vielleicht: »Ich bin wirklich nicht sicher, was mit Evangelisation gemeint ist. Ich vermute, wir sollen andere Menschen davon überzeugen, dass sie falsch liegen und wir richtig. Oder? Ist das Evangelisation?« (weiterlesen …)