Inhaltsverzeichnis zu Ausgabe 2/2014

  • Nachfolge Jesu heute (Sebastian Heck)
  • Nachfolge und das Gebet: Perspektiven aus den Abschiedsreden Jesu (Jörg Wehrenberg)
  • Nachfolge als Bekenntnis: Paul Schneider (1897–1939) und der Heidelberger Katechismus (Raphael Schuster)
  • Gäste und Pilger auf Erden: Kirche in der Nachfolge Christi (Sebastian Heck)
  • Nachfolge im Leid: Zwischen der Souveränität und der Güte Gottes (Martin Emmrich)
  • Impressum
  • Das Reformatorisch-Theologische Seminar
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Nachfolge Jesu heute

Editorial

Oftmals sind die einfachsten Definitionen die besten. Doch gleichzeitig sind sie oft auch diejenigen, die am meisten missverstanden werden. Wenn es darum geht, die schlichteste und grundlegendste Beschreibung des christlichen Lebens zu finden, dann gibt es kaum einen verständlicheren Begriff als den der Nachfolge. Jesus rief seinen Jüngern schlicht und ergreifend zu: »Folge mir nach!« (Mt 9,9). Und doch haben die Jünger sehr schnell gelernt, dass das, was leicht verständlich ist, nicht unbedingt auch leicht getan ist, bedeutet doch Nachfolge Jesu immer gleichzeitig die Verleugnung des Ichs und das Tragen eines Kreuzes (Mt 16,24). So ist Nachfolge mit biblischem Recht zum Inbegriff des christlichen Lebens geworden und das Kreuz zur Chiffre für das, was einen jeden Nachfolger Jesu diesseits der Herrlichkeit erwartet. (weiterlesen …)


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Nachfolge und das Gebet

Perspektiven aus den Abschiedsreden Jesu

Welche Bedeutung hat das Gebet für die Nachfolge der Jünger Jesu? Dieser Frage möchte ich anhand einiger Stellen aus der abschließenden Unterweisung nachgehen, die Jesus seinen Jüngern vor seinem Tod gegeben hat. In Johannes 14-16 bereitet Jesus seine Jünger auf die Zeit vor, in der er nicht mehr bei ihnen sein wird. Er steht davor, den Auftrag, den sein Vater ihm gegeben hat, nun zu Ende zu bringen. Danach wird er zum Vater zurückkehren und seine Jünger auf der Erde zurücklassen. Sie bleiben hier zurück, weil sie nun selbst einen Auftrag haben, den Christus ihnen gegeben hat. Dieser Auftrag besteht im Kern darin, dass die Jünger den Vater verherrlichen, wie Jesus dies auch getan hat. Zur Ausführung dieses Auftrags hat das Gebet der Jünger eine wichtige Bedeutung. Und zwar geht es hierbei um Bitten, die die Jünger an Gott richten, um von ihm das Erbetene zu empfangen.  (weiterlesen …)


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Nachfolge als Bekenntnis

Paul Schneider (1897–1939) und der Heidelberger Katechismus

Wollen wir eine Definition für christliche Nachfolge finden, bilden die folgenden Worte Jesu aus dem Markusevangelium 8,34–38 sicherlich eine gute Grundlage dafür:

»Und er rief die Volksmenge samt seinen Jüngern zu sich und sprach zu ihnen: Wer mir nachkommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach! Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es retten. Denn was wird es einem Menschen helfen, wenn er die ganze Welt gewinnt und sein Leben verliert? Oder was kann ein Mensch als Lösegeld für sein Leben geben? Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.« (weiterlesen …)


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Gäste und Pilger auf Erden

Kirche in der Nachfolge Christi

 

Wer sich mit der Nachfolge Jesu beschäftigt, kommt nicht umhin, bald auch Dietrich Bonhoeffers Klassiker Nachfolge (veröffentlicht 1937) aufzuschlagen. Darin stellt Bonhoeffer eine Frage, die viele Christen auch heute bewegt:

 

»Jesus war seinen ersten Jüngern leiblich mit seinem Wort gegenwärtig. Dieser Jesus aber ist gestorben und auferstanden. Wie erreicht uns heute sein Ruf in die Nachfolge? Jesus geht nicht mehr leiblich an mir vorrüber, wie am Zöllner Levi, um mir zuzurufen: Folge mir nach!«

 

Mit anderen Worten: Wie funktioniert Nachfolge, wenn wir einem Herrn und Meister nachfolgen, den wir nicht sehen, ja, der heute nicht mehr leibhaftig unter uns lebt, wie er das bei den ersten Jüngern damals tat? Ist Nachfolge unter diesen Bedingungen überhaupt noch relevant, ist sie überhaupt noch möglich? Doch diese und ähnliche Fragen, ja Zweifel an der Möglichkeit der Nachfolge Jesu, nennt Bonhoeffer selbst »unechte Fragen«, weil sie »nicht mir der Tatsache rechnen, dass Jesus Christus nicht tot, sondern heute lebendig ist und durch das Zeugnis der Schrift noch zu uns spricht.« (weiterlesen …)


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Nachfolge im Leid

Zwischen der Souveränität und der Güte Gottes

Ein Christ und ein Agnostiker haben eine angeregte Unterhaltung in einem Café. Sagt der Christ, »Was hält dich davon ab, den christlichen Glauben zu bekennen?« »Jetzt wirst du mir wohl sagen, dass Gott mich liebt und einen wunderbaren Plan für mein Leben hat«, antwortet der Agnostiker. »Ja, klar«, meint der Christ. »Und wahrscheinlich wirst du mir auch sagen, dass Gott allmächtig ist, alles nach seinem Willen herbeiführt und beherrscht, nicht wahr?« – »Äh, ja.« – »Sieh, genau da haben wir ein Problem«, sagt der Agnostiker. »Wo immer wir auch hinschauen, sehen wir Finsternis – Kriege, Hungersnöte, die die Armen Südostasiens und Afrikas heimsuchen. Aids, Krebs, Babys, die mit Hautkrebs oder Down-Syndrom geboren werden. Ein Kind, das von seinem betrunkenen Vater überfahren wird. Überall gibt es Schmerz und Tod. Deshalb kann Gott nicht gleichzeitig liebevoll und allmächtig sein. Entweder ist er allmächtig, aber nicht voller Liebe, und das ist der Grund warum das Böse in dieser Welt existiert. Oder er will das Leiden gern vernichten, weil er liebevoll ist, kann es aber nicht, weil er nicht allmächtig ist, und deshalb bleibt das Leiden in der Welt bestehen. Jedenfalls kann Gott nicht beides sein. Und weil ich keinen ›Halbgott‹ anbeten kann, komme ich zu meinem eigenen Schluss und sage: ›Ich kann von diesem Gott nichts wissen.‹« (weiterlesen …)